Brief des Herausgebers |
Das ist die unwiderruflich letzte Ausgabe der "Ortnergasse wöchentlich".Das ist ein Glück - für mich. Denn die Herausgabe der Zeitung bedeutete allein für mich eine zusätzliche Arbeit von zehn, fünfzehn Stunden jede Woche. Von der Zeit, die alle anderen in diese Zeitung gesteckt haben, kann ich nur schweigen - und mich ganz herzlich bedanken. Ich überlege schon, was ich nächste Woche mit der freien Zeit anfangen soll, wenn keine Zeitung mehr zu machen ist.Es gibt eine Menge Leute in der Schule, die es bedauern, dass das Projekt Wochenzeitung zu Ende ist. Irgendwie gehöre ich dazu. Denn die Zeitung ist mir ans Herz gewachsen. Ich bin wahrscheinlich genauso gespannt gewesen auf das Erscheinen der Zeitung wie viele Kinder in der Schule - und meine eigenen Töchter. Und ich war sicherlich einer von denen, die die Zeitung sehr genau gelesen haben, mehrmals. Wenn ich das Projekt betrachte, kann ich nur eine Aussage treffen: GEWAGT - GEWONNEN. Ja, froh bin ich, mir "diese Arbeit angetan zu haben", was eigentlich heißt: dass ich mich getraut habe, einen Gedanken umzusetzen, eine Idee loszuschicken, ohne zu wissen, was daraus wird. Ich wollte mit diesem Projekt eine Möglichkeit eröffnen, dass ein breiteres Publikum etwas davon erfährt, was so den Alltag der Ortnergasse ausmacht, was sich abspielt, meist hinter einer zugemachten Klassentür. Ich dachte mir, dass Qualitätssicherung damit beginnen sollte, Qualität sichtbar zu machen. Gewonnen hat das Projekt: es ist weit über meine kühnsten Erwartungen gediehen und gewachsen. In meinem Ordner mit den Autorenfotos sind weit über hundert Bilder. Zuletzt hatte die Zeitung durchschnittlich 12 Seiten und eine Auflage von 80 Stück. Das heißt ein ganzes und ein halbes Paket Kopierpapier und 320 Klammern für jede Ausgabe. Gewonnen habe ich: die Idee hat laufen gelernt und sich sehr selbständig gemacht und das halte ich für ein Merkmal gelungener Arbeit in der Schule. Ich habe so viel gelernt dabei, dass ich es hier nicht aufzählen will: über das Zeitung-Machen wie über das Leben in der Ortnergasse. Ohne die Zeitung hätte ich wahrscheinlich in diesen zwölf Wochen nur die Probleme wahrgenommen und wie so oft daran gezweifelt, ob je etwas Gescheites aus dieser Schule werden würde. Alle, die die Nummern auch nur angeschaut haben, werden mit mir übereinstimmen, dass hier ganz schön was los ist: Unternehmungsgeit, Atmosphäre, Kreativität und Selbstbewusstsein. Gewonnen! Viele haben in der Zeitung geschrieben oder Bilder veröffentlicht: weil sie sich mitteilen wollten oder weil sie sichtbar werden wollten. Nie hatte ich den Eindruck, dass es gezierte Schaustellerei war. Ich meine, dass alles Gelungene auch gezeigt werden kann. Wer es nicht aushält, wenn andere "glänzen", ist vielleicht bloß neidig. Ich bemerke schon, dass die veröffentlichte Leistung des einen wie ein Vorwurf für den anderen wirkt, der nichts veröffentlicht, begreifen kann ich es nicht. Ich habe damit rechnen müssen, dass dieses Projekt polarisiert zwischen denen, die veröffentlichen und denen die nicht veröffentlichen. Es ist so nicht eingetreten. Niemand hat sich über dieses Projekt auch nur lustig gemacht. Jenen, die das Ende der Zeitung bedauern, möchte ich keck sagen: "Findet eine Fortsetzung! Ich habe mein Projekt erfüllt. Aber ich unterstützte jedes Folgeprojekt - persönlich, materiell und handgreiflich." Zum Schluss meinen herzlichen Dank für Zeit, Ausdauer, Mut, Rat und Beistand an alle, die mitgearbeitet haben, und mein Kompliment an alle, die sich so für die "Ortnergasse wöchentlich" interessiert haben. Schließlich haben wir die Zeitung bis nach Oberösterreich und Kärnten verschickt. Herzlichst |
Werner Mayer
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