Wie spannend Schule auch für die Lehrer sein kann


Immer wieder und öfter als man denkt, gibt es im Unterrichtsalltag Situationen, die sowohl für die Kinder als auch für mich als Lehrerin interessant und spannend sind und wo Arbeiten mit Begeisterung aufgenommen und durchgeführt werden. Am besten gelingt das wahrscheinlich dann, wenn ich mich sowohl vom - immer irgendwo im Genick lauernden - Leistungsdruck verabschieden kann (wenn auch nur kurzfristig, aber dafür immer öfter) als auch wenn ich selbst mit voller Überzeugung und Begeisterung bei der Sache bin.
Das oft stiefmütterlich behandelte Kapitel der Aufsatz-Erziehung kann für mich zu einem "Krimi" werden, wenn ich
  • mich mehr freuen kann über die Ideen und die Fantasie der Kinder als über die Rechtschreibung,
  • den Fortschritt der einzelnen Kinder an-erkenne,
  • entdecke, dass sich sehr bald bei den meisten Kindern ein eigener, unverwechselbarer Stil entwickelt,
  • tatsächlich erreiche, dass nicht nur ich mit Begeisterung bei der Sache bin und
  • dass das Geschichtenschreiben von Mal zu Mal weniger ablehnend, weil eben schon vertrauter, angenommen, ja sogar erwartet wird.
Ganz abgesehen von den vielen Lachtränen, die solche Aufsätze mit ihren Stilblüten mir nebenbei noch entlocken.

Stil- und Schreibblüten aus der 3A: Bozi: Mein liplinks Fach ist Deutsch.
Nihat: Mahdematig mag ich gern.
Simge: Es ist gefährlich in der Schule.
Aus den Schwimmregeln: Bei Kältegehfüll raus aus dem Wasser (Kampfgefahr)!
Besonders interessant und informativ finde ich es, in der 1. Klasse von den Kindern ihre "verzauberte Familie" zeichnen zu lassen und später in der 4. Klasse dann noch einmal zum Vergleich.
Die Kinder sollen, nachdem ein Zauberer die ganze Familie in Tiere verwandelt hat, diese "Familie" zeichnen. Anschließend notiere ich die Reihenfolge der Zeichnungen und welches Tier wen darstellt.
Es ist spannend und berührend, wenn man die Kinder kennt und verrät oft intuitive Einblicke in familiäre Zusammenhänge und in die Kinderseele, auch wenn man der "verzauberten Familie" samt "Pigem-Test" (Zusatzfragen: Welches Tier magst du besonders und welches gar nicht?) als psychologischem Testverfahren kritisch gegenübersteht.

Drei typische Beispiele aus der 1.B




Ingrid Stiepka
Ingrid Stiepka

Ordnergasse? | Aus der M1 | Bücherei | Käse | Streichquartett | Kindernetz | Welche Sprache? | Zeitungsauswahl